Change, Digitale Transformation

Frauen sind digitaler


Frauen tun sich leichter mit der digitalen Transformation – und anderen Change-Projekten. Frauen sind (im Schnitt, es gibt Ausnahmen) offener für Neues – auch wenn sie es noch nicht ganz verstehen. Männer sind (im Schnitt, es gibt Ausnahmen) erst einmal tendenziell gegen Neues. Vor allem, wenn es ihren Status oder Nimbus bedrohen könnte. Das kann ich verstehen, so ginge es mir auch, wenn ich ein Mann wäre. Aber das hilft ja nicht.

Nicht dem Mann, nicht der digitalen Transformation, nicht der Firma. Warum fällt Frauen Veränderung leichter? Sind das die Gene, die Hormone?

Nennen wir es: Rollenstereotypen. Zum Beispiel: Männer fragen deutlich seltener nach dem Weg, wenn sie sich verfahren haben. Das Navi hat das Problem gelöst – fürs Autofahren. Nicht für den Wandel, die Change-Projekte und die digitale Transformation.

Frauen sind digitaler

Wenn wir in Meetings in diesem und jenem Unternehmen solche Veränderungsvorhaben diskutieren, sind es immer die Frauen, die mir ein Loch in den Bauch fragen. Die Männer fragen weniger und sind eher skeptisch, misstrauisch, zweifelnd. Sie verteidigen ihre Themenhoheit. Kann ich verstehen. Und wenn sie dann mal fragen, fragen sie nach dem Beweis, dem Beleg, dem Nachweis „für das alles“. Als ob die drängende Notwendigkeit der digitalen Transformation erst noch bewiesen werden müsste. Sie fragen: Wer behauptet das? Welche Unternehmen haben das schon so gemacht? Und überhaupt: Wir sind nicht Google oder Amazon! Aber eventuell bald weg vom Fenster, wenn die digitale Transformation jene überrollt, die nicht, zu wenig oder zu spät transformieren. Frauen verstehen das oft schneller und tiefgreifender.

Logische Schlussfolgerung: Nur noch Frauen zum Chief Digital Transformation Officer ernennen! Scherz beiseite: Das wird natürlich nie passieren. Aber ein Transferteam, das zu 90 Prozent aus Männern besteht, ist ein Widerspruch in sich. Es passt zur Unternehmenskultur, aber nicht zur digitalen Transformation. Und das gilt nicht nur für die Frauenfrage.

Das gilt für das Überthema, das über der Frauenfrage steht – wie hieß es doch gleich? Du hast es bestimmt erraten: Diversity. Diversity is key to success. Im 21. Jahrhundert gewinnt nicht das kompetentere Team, sondern das diversere. Weil es mehr Kompetenzen, Facetten, Disziplinen, Mindsets und Persönlichkeiten auf sich vereint. Diversity erweitert nicht nur die Perspektiven und das Know-how des Teams. Diversity erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass du allein schon dadurch, dass du ein Team divers zusammensetzt, sämtliche Gruppen und Gruppierungen im Unternehmen vertreten hast und damit ins Boot holst. Und das ist, wie wir alle wissen und schon erfahren haben, der Schlüssel zur erfolgreichen Transformation. Jeder Change braucht die kritische Masse jener, die mitmachen. Und die erreicht man ebenso wenig mit einem Team nur aus Ingenieuren wie einem Team nur aus Sozialwissenschaftlern.

Zurück zu den Frauen: Wenn Frauen digitaler und change-affiner sind, dann sollten wir uns auch mehr zutrauen in Transformation und Change: Meldet euch für Projekte, Meetings, Maßnahmen! Also nicht lange und typischerweise überlegen, zaudern, abwägen und den Jungs den Vortritt lassen, sondern gleich die Hand heben. Das ist nicht egoistisch, das ist nötig und tut der Firma gut. Weil Frauen digitaler und offener für den Wandel sind.

Und weil Frauen besser netzwerken. Auch das bestreitet heute niemand mehr und für den Wandel ist das geradezu ein Turbo. Ein Projektleiter, der zwar genial ist, den aber 90 Prozent der Belegschaft nicht mal mit Namen kennt, erreicht sicher sehr viel weniger als Corinna vom Product Management, die allein schon wegen ihrer Matrix-Position im Unternehmen bekannt ist wie ein bunter Hund und die Hälfte der Belegschaft mit Vornamen kennt.

Und wenn du zufällig ein Mann bist? Dann lass dich nicht vom immer noch herrschenden Leadership-Leitbild in die Irre führen. Es ist, dem Leitbild entsprechend, immer noch gut, entscheidungsfreudig, tatkräftig, direkt und offen zu sein. Es ist aber noch viel besser, wenn du noch andere Tugenden pflegst: Erst mal fragen, bevor man Skepsis zeigt. Optionen vor Restriktionen diskutieren. Gut vernetzt führen, anstatt einsam aus dem Büro heraus. Im Kontakt führen, anstatt in Memos. Emotionen nicht marginalisieren, sondern managen.

Noch besser allerdings wäre, wenn dieser Blog völlig unnötig wäre, weil ihr in eurer Abteilung, Projektgruppe, eurem Team, Unternehmen, eurer Familie schon die Synthese nicht nur von Mann und Frau, sondern von allen diversen Persönlichkeiten und Gruppen erreicht habt. Dann ist die digitale Transformation wie jeder andere Wandel kein hehres Ziel mehr, sondern die logische Konsequenz einer Synthese, die in Effektivität und Effizienz alles Bisherige in den Schatten stellt.